Irlands wilde Küste:

Straßen und Klippen am Tag.

Whisky und Shanties im Pub.

von Ulli und Horst Lampelmayer

Mit unserer Moto Guzzi California 850 Bj.1979 – also auch schon etwas betagt so wie wir – sind seit heute, einem strahlenden Sommertag im August, auf der Straße nach Irland unterwegs. Unsere „Grüne Mamba“ wie sie von uns gerne genannt wird, ist von unserem Mechaniker auf besten Stand gebracht. Das Ziel ist der „Wild Atlantic Way”, Irlands berühmte Küstenstraße.

Die Campingausrüstung ist kontrolliert, auch die Campingküche ist vollständig, vor allem: von allem ja nicht zu viel. Mit besonderem Augenmerk packe ich die Regenausrüstung zuoberst auf den Gepäckträger, denn es geht nordwärts. Am 14. August starten wir in Dornbirn mit dem Tagesziel Lure / France. Durch die Schweiz fahren wir noch auf der Autobahn bis Oensingen, aber ab hier wollen wir diese meiden wie der Teufel das Weihwasser. Nach 385 km problemloser Fahrt sind wir auf unserem ersten Campingplatz in der Nähe von Lure.

 

Frankreich

Am nächsten Tag soll es bis Bar le Duc gehen, wo Freunde von uns derzeit Urlaub machen. Um 10 Uhr ist das Gespann wieder gepackt und los geht’s. Die Franzosen sind für uns angenehme Verkehrsteilnehmer und so kommen wir zügig voran. Wir genießen die sonnige Fahrt. Stops gibt es nur zum Durstlöschen und zum Tanken der Maschine. Nach 205 km sind wir am Schlosspark Camping in Bar le Duc, wo wir unsere Freunde treffen und hier mit ihnen einen Pausentag verbringen.

 

Wir spazieren in die Oberstadt und schauen uns die Fassaden der Steinhäuser aus dem 15. Jahrhundert an. Dann geht’s hinunter an den Fluss Ornain, in die Unterstadt. Nach einem Einkehrschwung geht es bald wieder zurück, denn wir wollen uns gemeinsam von der Campingküche etwas Leckeres zubereiten.

 

Recht  früh verlassen wir die Beiden und weiter geht die Fahrt zu unserem heutigen Ziel Chalon en Champagne. Das Wetter ist erst mal noch gut; wir fahren dem Canal de la Marne entlang und sind bald in der sehr schönen Champagne. Links und rechts der Straße wird Wein angebaut soweit das Auge reicht. Diese Gegend ist ja berühmt für den Champagner. Wobei dieses edle, prickelnde Getränk aus mehreren Rebsorten besteht. Wir kennen diese Rebstöcke jedoch nicht und wissen daher auch nicht, welche Trauben hier derzeit noch nicht ausgereift an den Reben hängen. Ab Chalon fahren wir über 90 km der Marne entlang bis Chateau-Thierry. Wenig Verkehr, die Straße ladet zum Cruisen so richtig ein. Bei Thierry geht’s rechts ab nach Soisson und . . . es beginnt zu regnen, zu schütten. In Soisson suchen und finden wir dann auch bald ein B&B wo wir unterkriechen, ein großes Bier genießen und draußen…… prasselt der Regen.

Ein nasser Start in Dornbirn bei Regen.

Sonne und blauer Himmel am Fluss Lot.

In Bronze gegossen: die vier Musketiere in Kondom/Gers.

Die Quelle des Rio Ebro.

Sidra genießen in den Picos de Europa.

Camping an der Playa de Esteiro.

Am Morgen hat es wieder aufgeklart. So fahren wir nach Compiègne, Montdidier. Hier kommen wir in die sehr schöne Landschaft der Normandie. Es ist leicht hügelig und wieder sehr weitsichtig. Riesige Getreidefelder und große Viehherden beherrschen die Landschaft. Wir sind sehr schnell unterwegs und erreichen nach 225 km den Fährhafen in Dieppe. Rechtzeitig erreichen wir heute noch, am 18. August, unsere vorgebuchte Fähre. Nach 5 Stunden ruhiger Schifffahrt legen wir in Großbritannien in Newhaven an.  

 

England

Ankunft in Newhaven,  im Lewes District der englischen Grafschaft  East Sussex.  Als wir um 20.30 den Fährhafen verlassen, beginnt es zu dunkeln und ich muss mich bis zu unserer Unterkunft in Brighton auf den Linksverkehr umstellen. Hm!  Da habe ich schon verschiedene Techniken gehört, wie ich das am besten anstelle. Ich hänge mich also einfach hinter die Rücklichter eines vor mir fahrenden Autos und lerne so sehr schnell, mit dem Verkehr auf der „falschen“ Seite umzugehen. Das klappt recht gut! Das Hotel zu finden war da schon schwieriger. Leider war das dann ein uralter Kasten ohne Garage. So stelle ich das Motorrad direkt vor der Türe ab, so ist  es wenigstens im Blickfeld des Portiers. Aber wir müssen alles abpacken und quer durchs Hotel schleppen. Kein Boy, kein Karren, wir schwitzen.Aber dafür muss jetzt die Hotelbar herhalten, in der wir den ersten Whisky auf englischem Boden trinken.

 

Um wach zu werden schnuppern wir etwas am Ufer umher, besuchen am Brighton Palace Pier die Spielhöllen und wagen kleine Einsätze, bestaunen den Tower-Lift, den Brighton i360: Ein 162m hoher Aussichtsturm, an dem eine ringförmige, verglaste Aussichtsplattform hinauf und wieder herunter fährt. Aber bald geht’s weiter nun auf der Insel.

 

“Links fahren!“  ruft Ulli, und ich mache einen kleinen Schwenk nach …..links.

 

So geht es bei schönstem Sonnenschein durch West Sussex über Peterfield bis Eastleigh, das nun schon in Hampshire ist. Wir fahren entlang dem Southdown National Park, einer sehr schönen Landschaft, in der malerische Windmühlen und uralte Anwesen in sehr sauberen, englisch gepflegten grünen Parks mit altem großen Baumbestand oder inmitten von Weingütern stehen.

Nun, an der Küste, staunen wir über die atemberaubenden schneeweißen Kreidefelsen, an denen sich das Meer mit mächtigem Rauschen abarbeitet. Die Gischt spritzt bis hoch an die Felsen, erschreckt aber die Möwen nicht, die im Gegenteil dieses Spiel lieben.

 

Langsam beginnen wir zu erahnen was da für ein Abenteuer auf uns zukommt.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir den Farmcamping in Easleigh. Es sind nicht viele Camper da, wohl weil die Farm etwas oben in den Hügeln liegt. Es ist sehr ruhig und angenehm. Zum Frühstück dampft der Kaffee ums Motorrad und der Geruch von gebratenem Speck mit Spiegeleiern, also Ham and Eggs, lässt manch andere Camper neidisch dreinschauen. Es macht aber jeder sein Frühstück und so bleibt der Speck und die Eier ganz alleine uns.

Die Freude auf den Tag ist groß.

 

Die A- und B- Roads sind in England sehr eng, das heißt es kommen zwei PKW‘s aneinander vorbei, aber es muss jeder extrem am linken Asphaltrand fahren. Die Straßen haben auch keine Bankette, am Asphaltrand steht eine Steinmauer oder ein Gebüsch. Ich bereue, dass ich nur links einen Rückspiegel habe, rechts außen am Beiwagen wäre einer fein, dann hätte ich Überblick auf den Verkehr hinter mir. Ich fahre so weit links, dass ich mit dem Spiegel und dem Ellenbogen im Gebüsch oder sehr knapp an der Mauer fahre. Ulli dagegen sitzt zur Straßenmitte und hat so den Kampf mit dem Gegenverkehr. An Überholen muss ich gar nicht denken. So knattern wir mit einer riesigen Gaude durch die Grafschaften West Sussex, Hampshire, Dorset, Devon und Cornwall in Richtung Land’s End.

 

Obwohl ich recht zügig am Gashahn drehe, bin ich der schnellste in der Kolonne, nämlich zuvorderst. 30 km vor Seaton beginnt es zu regnen, und so landen wir wieder in einem B&B. An der Bar bekomme ich mein erstes feines Pint of Guinness. Ulli und ich versuchen hier erstmals so richtig mit unseren Englischkenntnissen zu triumphieren (oder auch nicht). Je älter der Abend, desto lockerer wird die Zunge, geht doch.

 

Ein Elvis-Verschnitt schreit vor der Bar ins Mikrofon.

 

Morgens in aller Herrgottsfrühe starten wir wieder bei Sonnenschein  süd- westwärts in Richtung Fowey. Das ist eine Kleinstadt und Gemeinde in der Grafschaft  Cornwal.

 

Auf der Fahrt, natürlich auf der linken Straßenseite, suchen wir Straßen so nahe als möglich an der Küste. So finden wir natürlich kleinste Straßen und Dörfer. In Dartmouth kehren wir im Hafen auf ein Pint im „The Floating Bridge“ zu und können dann mit der längsten Kettenfähre der Welt den River Tamar überqueren.

 

Da liegt eine stark gliedrige Eisenkette von Ufer zu Ufer am Meeresboden, in die ein Zahnrad, das Backbord aus dem Schiffsrumpf ragt und über eine Welle angetrieben wird, greift. Diese wird mit einem Dieselmotor angetrieben. So wird die Fähre mit lautem Gerassel quer über den Meeresarm gezogen.

 

Weiter auf der Küstenstraße finden wir für zwei Nächte einen tollen Farmcamping in Fowey.

Es ist ein kleines Städtchen mit einem Seehafen. Wohl, weil am nächsten Tag eine große Regatta stattfindet, tummeln sich unzählige kleinere Segelboote auf dem River. Hier finden wir auch ein interessantes Meeresaquarium, entdecken sonnige, lauschige Gastgärten zum Verweilen und erzählen einigen Neugierigen von unserer Reise, an deren Anfang wir ja erst stehen.

Wir haben aber viel vor, und so sitzen wir am Abend vor dem Zelt, genießen den wunderschönen Blick auf den River und planen die weitere Reise.

 

Weiter führt uns die Reise am nächsten Tag durch Cornwall bis ans äußerste Ende der Insel. Bis Lands End. Dies ist eine Ortschaft und die gleichnamige Landzunge.

 

Die Spitze der Landzunge ist der westlichste Punkt Englands auf der Hauptinsel GB.

 

Nach St. Austell fahren wir eine kleine Straße hinaus und finden in Zone Point nochmals eine Kettenfähre über einen Meeresarm. Gegen Abend am 23. August sind wir am Ziel und bekommen ganz draußen, vielleicht  50 m über dem schäumenden Meer, den letzten Zeltplatz auf einem Wiesencamping am Meer. Es ist ein schöner Platz hoch oben auf den Klippen, wo wir einen phantastischen Sonnenuntergang sehen, der uns  auch einen Eindruck vom Ende des „Festlands“ vermittelt.

 

Wir möchten und müssen weiter, weil der Camping ab morgen ausgebucht ist und wir in Irland die erste Unterkunft ab dem 2. September vorgebucht haben.

 

Das Ziel und die Straßen sind noch weit bis dahin.

 

Am 24. August starten wir in Richtung Mittelengland. Erst durch die Grafschaft Cornwall geht‘s bis in die Grafschaft Devon. Auf einer Landzunge in Hartland Point, das der nordwestlichste Punkt in der Region North Devon ist, finden wir wieder einen schönen Farm-Campground. 

 

Über üppige Wiesen wandern wir gegen Abend hinunter zur nahen Felsküste und erreichen nach einer halben Stunde über einen steilen Pfad bergab einen tollen Pub direkt am Meer. Wir finden auch noch den letzten freien Tisch. Es gibt Fish and Chips und ein paar Pints beim gemütlichen Erzählen von unserem Abenteuer an der Bar.

 

Beim späten Verlassen des Pups sehen wir an der gegenüberliegenden Felsspitze den blinkenden Leuchtturm von Hartland Point. Eine Infotafel klärt uns über dieses Leuchtfeuer auf. Dieser tolle weiße Turm auf einem Gebäude wurde 1874 erbaut. Das Licht, welches sechs Lichtsignale alle 15 Sekunden aussendet, hat eine Reichweite von 25 Meilen, etwa 40 km. Ein Nebelhorn gibt bei Nebel alle 60 Sekunden einen fünf Sekunden langen lauten Ton ab, der noch in über zwei Meilen Entfernung gehört werden kann.

 

Der Leuchtturm warnt Seefahrer vor dieser Landzunge und ist ein Wegepunkt für Schiffe auf ihrem Weg durch den Bristol Channel. Dieser Posten in Hartland Point überwacht  vollständig automatisch mit Hilfe von Funksendern den Schiffsverkehr. Er ist öffentlich nicht zugänglich.

Von Hartland Point geht es der Heritage Coast entlang über Bridgewater bis Warminster in der Grafschaft  Sommerset auf einen netten Campingplatz. Nach wie vor suchen wir die Nebenstraßen und finden so wenig befahrene Straßen, fast Wege, schön herausgeputzte Gehöfte, große Eichenwälder und immer wieder ein Pub für einen kurzen Einkehrschwung.

Wir umfahren den Meeresarm „Mouth of the Severn“. Dazu geht es von Warminster über Bath und Cirencester nach Gloucester. Hier queren wir im hintersten Teil des Meeresarms die Bristol Bay über die Severn Bridge den River Severn. Nun geht es auf der anderen Seite hinunter bis Whitminster in Wales, wieder auf ein schönes, grünes Campfield.

 

Weiter geht es in Richtung Westen. Über Abergavenny kommen wir in die Black Mountains, die den höchsten Berggipfel, den Waun Fach, mit 811m im Brecon Beacons National Park haben. Eine wunderbare hügelige Heidelandschaft. Das „Black“  kommt wahrscheinlich von den wunderschönen großen Hochmooren an denen wir entlang fahren. Die Gegend ist sehr einsam, nur selten ein Steinhaus oder ein Baum. Am Ende des Parks kommen wir nach Ammanford, wo es zu regnen beginnt. Auf dem Camping angekommen verstehen wir plötzlich dieses Englisch nicht! Natürlich kommen wir soweit klar und wir kommen dann auch drauf, dass hier nämlich Walisisch, und dann noch in einem keltischen Dialekt, gesprochen wird. Es ist Ende August und das heißt bei Regen, dass es in der Nacht kalt wird. Ich ziehe deshalb zusätzlich eine Plane über das Zelt. Davor entfache ich ein kleines Lagerfeuer, die Feuerschale und etwas Brennholz konnte ich vom Campingplatz Betreiber bekommen, na, so haben wir es doch fein in unserer kleinen Unterkunft.

Am Vormittag fahren wir wieder zur Küste. Der Regen hat sich verzogen. So fahren wir auf abgetrockneten Straßen über Lampeter und Eglwyswrw bis Fishguard zum angepeilten Fährhafen. Leider erwischen wir die Fähre nicht mehr, so beziehen wir ein Hotelzimmer. Beim Ausgang am Abend finden wir eine Kneipe in der wir auch Fish and Chips bekommen. Am nächsten Tag nehmen wir dann die erste Fähre.

  

Irland

Die Überfahrt nach Rosslare in Irland, die wir natürlich an Deck verbringen, dauert bei schönstem Wetter 3 Stunden. Eigentlich wollen wir das Dorf ein bisschen anschauen aber es ist so gar nichts los, die Ortschaft wirkt wie ausgestorben. Ein Inn hat jedoch geöffnet. So kehren wir zu und bestellen zwei Guinness Stout. Das ist ein schwarzbraunes, hopfenbitteres Gebräu. Ulli rümpft die Nase und ich bestelle noch eines.

 

Erster Tag auf der Insel. Wir haben genügend Zeit und so machen wir einen Abstecher  zur Halbinsel Hook mit dem Lighthouse, dem ältesten, etwa 800 Jahre alten, noch betriebenen Leuchtturm der Welt am „Ring of Hook“. Mit einer Ferry queren wir den River Barrow und erreichen so Co. Waterford.

 

In der Nähe von Waterford beziehen wir wohl eines der schnuckeligsten B&B unserer Reise. Als die Hausfrau uns die Tür zum Empfang öffnet und uns von unten bis oben kritisch betrachtet, staunen auch wir nicht schlecht. Der Hausflur ist mit einem 3 cm hohen, schneeweißen Teppich belegt, pieksauber. Nach dem Abpacken von unserem „Nachtsack“ ziehen wir noch vor der Haustüre die Stiefel aus, was die Hauswirtin mit einem Lächeln quittiert und das uns ein Riesenplus einbringt. Beim Empfang mit Tee und Kuchen und ausnahmsweise Bier (das erarbeitete Plus!)  erzählen wir natürlich über unsere Reise, das Woher und Wohin, was von der ganzen Familie mit sehr viel Neugierde aufgenommen wird. Zum Frühstück wollen uns die Wirtsleute mit echt irischem Frühstück vollstopfen, Würstel, Ham and Eggs, Omeletten, knuspriges Brot, Butter, verschiedene hausgemachte Marmeladen und das Ganze sicher dreimal.

„What, not anymore? You still have to work hard today with your wonderful machine; Kenmare is still a long way off.“

 

Da muss ich nachgeben, bis ich fast platze.

 

Wir starten nun rechtzeitig mit vollen Bäuchen und fahren der Küste entlang in Richtung Cork. So kommen wir auch durch Kinsale, eine Stadt im County Cork. Ein besonderer Ort, denn hier beginnt oder endet der „Wild Atlantic Way“ eine der  längsten Küstenstraßen der Welt. Sie ist über 2500 km lang, manchmal auch nur ein Schotterweg an der Westküste von Irland von Süd bis Nord. Sie zu befahren, ist in etwa unser Leitpfad, der uns bis ganz hinauf bis zur Inishowen-Halbinsel führen wird.

 

Schon auf den ersten Kilometern, ohne viel Verkehr, kommen wir aus den ohhh- und wauh- Rufen nicht heraus. Unzählige Stops lassen uns nicht so recht vorwärts kommen. Schwarze Wolkenbänke ziehen auf und  - ziehen wieder weiter, blauer Himmel, dazwischen mal ein Regenguss. So erleben wir unseren ersten Tag hier in Irland. So wird es auch bleiben.

 

Über Skibbereen erreichen wir am späten Nachmittag Kenmare, wo wir in einem B&B ein Zimmer beziehen. Auch hier sind die Vermieter sehr freundlich.

 

Am liebsten würden sie uns wohl mitsamt dem Motorrad ins Zimmer tragen.

  

Wir haben über airbnb eine Wohnung vom 3. bis 9. September gebucht. Das war uns wichtig, weil wir am PC doch eine gute Auswahl in diesem Portal treffen konnten. So fahren wir am nächsten Tag die paar Kilometer auf die Halbinsel Beara zu Martin, der uns schon erwartet. Hier im County Kerry, sind wir auf einer der fünf recht großen Halbinseln im Südwesten Irlands, die wie Finger einer Hand in den Atlantik reichen.

 

Mizen Head, Sheep’s Head, Beara, Iveragh und Dingle.

Unser Bungalow liegt etwas auf der Anhöhe der Beara Halbinsel. Vom Wohnzimmer aus haben wir einen wunderbaren Blick über den Kenmare River und auf die Halbinsel Iveragh.

Die küstennahen Landschaften dieser fünf Halbinseln sind bis zu den Ufern grün und haben hier dank des Golfstroms ein recht mildes Klima. Hier planen wir für die nächsten Tage unsere Ausflüge. Natürlich ist der Regenkombi stets dabei, denn in Irland hat jeder Tag auch seinen Regenguss, seinen Sonnenschein, seine Wolken und seinen Wind.

 

Der erste Ausflug ist die Erkundung unserer Halbinsel. Dem Kenmare River entlang führt uns der Ring of Beara, eine 140 km lange Panoramaküstenstraße, auf dem  Wild Atlantic Way bis zur äußersten Spitze der Halbinsel, wo uns der Dursey Sound von dem kleinen Dursey Island im Atlantik trennt.

 

Am Lake Napeasta besuchen wir einen mystischen Five Stone Circle, den Uragh Stone Circle, am Lough Inchiquin. Wir sind die einzigen Besucher und so setzen wir uns in seine Mitte, genießen die Ruhe,  philosophieren über Urzeiten und lassen unseren Geist entschweben. Nach einer halben Stunde kehren wir zu unserem abgestellten Motorrad zurück und finden es umstellt von einer Herde rabenschwarzer Stiere. OK! Etwas Mut auspacken und einfach durch die Herde von sicher 25 grimmig dreinschauenden Galoway Rindern zum Motorrad durchgehen. Ich starte und die Viecher machen schön langsam Platz.

 

Wer sucht, der  findet hier viele prähistorische Monumente, Menhire, Hügelgräber und viele Steinkreise.

 

Bei der Weiterfahrt auf der Südseite fahren wir bis Adrigole und dort dann links ab über den wunderbaren Healy Pass. Die Passhöhe selbst liegt in einem markanten, schon von Weitem sichtbaren Einschnitt in der Bergkette. Auch wenn der Pass nicht  durch die zu bewältigenden Höhenmeter bestechen kann, so ist er doch wegen der landschaftlichen Schönheit der Caha Mountains allemal einen Besuch wert. Von der Passhöhe aus erblicken wir im Norden eine schöne Bucht am Kenmare River.

 

Jetzt können wir etwas schneller hinunter nach Lauragh fahren, denn die Landschaft weitet sich und ist sehr übersichtlich. Die Halbinsel ist sehr gebirgig mit nur wenigen Wäldern. Da die Straße sehr schmal und kurvenreich ist, fahren hier auch keine größeren Fahrzeuge. Am Glenmore Lake erwischt uns ein Regenguss, dem wir jedoch entwischen können: Wir entdecken ein Inn, wo wir feines Lamm und dazu guten Wein bekommen. Es schaut so aus dass wir diesen Regen aussitzen können. So bestellen wir noch einen Irish Coffee und einen kräftigen High Tea für Ulli.

 

Eine weitere Tour führt uns um die Halbinsel Iveragh, auf den legendären „Ring of Kerry“. Erst ist die Straße zweispurig, wird dann immer schmaler, bis es bald nur noch einspurig durch die Hügel geht. Uns passt das schon, weil wir langsam fahren und so die Landschaft  richtig genießen können. Üppige Rhododendrenhecken, unter denen sich Steinmauern verstecken, lassen mich schon ab Kenmare recht vorsichtig fahren. Immer wieder gibt es Lücken, die einen raschen Blick auf die grünen Mountains zulassen. Wir fahren auf dem Skelling Ring der Küste entlang zum Felsvorsprung Bolus Head dem Reenadrolaun Point, einen bekannten Kletterfelsen mit Routen, die je nach Gezeitenstand zugänglich sind.

 

Hier kehren wir in Fisherman’s Bar & Skelling zu. Es ist regnerisch und ziemlich kalt daher ist es auch Zeit für den ersten Irish Single Malt Whiskey. Noch bevor ich zum bestellen komme möchte ein Gast Auskunft von uns haben, woher wir denn sind. Schon bei der ersten Frage stellt er uns zwei Whisky Gläser hin und meint, den würden wir sicher vertragen bei diesem schönen irischen Wetter. Gleich sind wir umringt von ein paar Gästen. So versuchen wir eben, ihre Neugier mit unseren Abenteuern zu befriedigen. Da wir aber heute noch eine tolle Strecke vor uns haben, müssen wir nach dem zweiten Glas abklemmen. Das halbe Lokal begleitet uns vor die Tür und möchte unseren Start anschauen und fotografieren. Ein kräftiger Ire möchte gar Ulli in den Beiwagen heben, dem sie jedoch flugs zeigt wie sie in die Kiste kommt. Unter bravo Rufen drehe ich eine kleine Runde auf dem Schotterplatz bevor wir wieder auf der Straße sind und mit Getöse davon brausen.

 

Bald fahren wir jedoch wieder von der üblichen Touristen Route weg auf einer kleinen Straße über Hügel und Berge ins Landesinnere. Hier sind wir alleine auf der Straße, die sich durch Wälder und an Hochmooren entlang zieht. Es wird hier noch händisch Torf gestochen und  zum Trocknen im Gras daneben ausgelegt. Den River Innly queren wir über die Killeenleagh Bridge, eine uralte Steinbogenbrücke.

 

„Fahren wir jetzt auf einem Trampelpfad von Schafen?“, fragt mich Ulli. Wir befinden uns wirklich auf einer sehr schmalen Straße in Richtung Killorglin einer kleinen Stadt im Süden des County Kerry. Sie liegt am nördlichen Ende der Halbinsel Iveragh. 

 

Am Bealach Oisin Pass wird es dann sehr eng. Auf der schmalen Straße wird eine Schafherde auf uns zugetrieben und die finden dann nur noch einen Weg. Hinten ruft der Hirte und vorne sind wir. So, nämlich zu Ullis Schreck , gibt es für die Schafe nur noch einen Weg, nämlich mit Sprüngen über den Seitenwagen. Ulli muss halt den Kopf einziehen. Aber der Whiskey, den wir kurz davor in Fisherman’s Bar getrunken haben, rettet sie vor dem Herzinfarkt.

 

Kurz nach der Querung eines Rivers fahren wir wieder eine kleine Straße durch ein langes Tal zum Ballaghbeama Gap. Ein kleiner Pass, der tief eingeschnitten zwischen zwei spitzen Bergen liegt. Es ist ein landschaftlich sehr grünes Tal, immer mit Blick auf den 773m hohen Mullaghanattin. Dieser ist bis hoch hinauf überwuchert  mit meterhohem Adlerfarn. Dazwischen sehen wir immer wieder kleine Steinhütten, gedeckt mit Steinplatten, ohne Fenster und nur offene Türen. Es sind wohl nur Zufluchthütten bei Unwettern für Jäger und Hirten. Es geht durch ein menschenleeres Gebiet in dem nur das Donnern unserer Guzzi zu hören ist. Im oberen Teil sehen wir unzählige weiße Flecken, Schafe. So geht es immer leicht bergauf. Erst am Schluss wird es doch bis zum Pass ziemlich steil.

 

Etwas zügiger ziehen wir dann hinunter bis zur Hauptstraße. Die queren wir und sind schon wieder auf einer ganz kleinen Straße. Nun brausen wir dem braunen Moorwasser des Blackwater entlang auf  Kenmare zu das wir nach 190 km gut gelaunt erreichen.

 

Auf diesen kleinen Straßen entkommen wir dem teils massiven Touristenstrom am Ring of Kerry. Ein weiterer Ausflug führt uns am nächsten Tag wieder ins Landesinnere. Ab Kenmare fahren wir dem Slaheny River entlang durch ein Naturschutzgebie, das Wildtiere wie Lachs, Otter und Seevögel beherbergen soll, nach Killarney. Der Fluss und seine Umgebung sind ein wichtiger Teil des Wild Atlantic Way und bieten atemberaubende Landschaften.  Allerdings ist es heute auch wieder recht regnerisch und daher kalt. So halten wir uns auch nicht lange in der Stadt auf. Diese kleine Stadt liegt nicht direkt am Lough Leane. Wir sehen den See erst, als wir wieder auf der Route des “ Ring of Kerry“ in Richtung Kenmare unterwegs sind. Die N71 ist sehr stark mit Touristenbussen  befahren, auch heute bei Regenwetter. Es ist aber  eine sehr schöne, mit vielen Aussichtspunkten angelegte Panoramastraße.

 

Am Ladies View bleiben wir stehen und bewundern den wirklich phantastischen Blick über den Upper Lake und den Killarney National Park bis zum Lough Leane mit seinen bewaldeten Ufern.

 

Königin Victoria, die 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritanien und Irland war, verliebte sich- und auch ihre Hofdamen, derart in diesen Aussichtspunkt, dass dieser heute noch Ladies‘ View genannt wird. Der Ladies‘ View ist natürlich kein Geheimtipp, gehört er doch zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten der grünen Insel.

 

Einen Tagesausflug machen wir auch nach Kenmare, ein Landstädtchen im Süden des County Kerry. Das "kleine Nest" Kenmare ist Teil des berühmten Ring of Kerry  Es gibt hier in den farbigen Häuserzeilen viele Restaurants und Bars, an denen wir natürlich nicht an allen vorbei kommen.

Da die Stadt auch als Gourmethauptstadt des Südens bezeichnet wird, essen wir in einem Gasthaus gebackenen Seeteufel in Knoblauch-Ingwer Kruste, eine Spezialität hier. Dann wandern wir entlang farbiger Reihenhäuser zum Ufer des Finnihy, wo der Steinkreis von Dromagorteen einen Dolmen umringen. Der Kreis aus 15 großen Steinen, von denen 13 stehen und zwei im Norden umgestürzt sind, ist der Größte im County Kerry.

 

Die Steinkreise hier haben stets ungerade Steinzahlen, die zwischen 5 und 17 liegen.

Wir halten uns nicht zu lange auf, denn es beginnt zu regnen. So verziehen wir uns und suchen einen Platz in einer Bar. Bei einem Gewitter kann man hier in Bars zukehren ohne zu konsumieren, einfach zum reden und warten, das geht ja bald vorbei.

 

Einen schönen Abend verbringen wir in einem irischen Pub. Eine gemütliche Atmosphäre, dunkles Holz, niedere Räume und etwas gedämpftes Licht empfängt uns. Eine echte Gemeinschaftskneipe. Das Pub ist gut besucht, doch  wir finden einen Platz an einem Stehtisch in der Nähe der Bar. Rechts daneben ist ein kleines Podium, da werkelt einer mit Kabeln und Mikros herum. Aha, vielleicht gibt’s noch Live-Musik. Am Tisch stehen noch zwei Männer, die uns aber bereitwillig etwas Platz machen. Ich gehe an die Bar und bestelle zwei Guinness. Man bestellt hier direkt an der Bar und zahlt sofort, das habe ich schon gelernt. Mit den beiden Männern an unserem Tisch verbringen wir einen gemütlichen Abend. Laut wird es als die Musik loslegt. Nicht nur das Banjo, eine Geige und die Gitarre, das halbe Lokal kennt die Folk Songs und singt daher auch mit. Die anderen ignorieren die Musik und quatschen recht lautstark. Perfekt gezapftes Guinness und ein-zwei irische Whiskeys lassen auch uns bald etwas mitgrummeln. Wir haben ja nicht weit bis nach Hause und der Weg ist uns bekannt.

 

Am 9. September brechen wir unsere Zelte hier im County Kerry ab, fahren über Killarney und Tralee zum River Shannon. Diesen überqueren wir von Tarbert nach Kilrush mit der Fähre bei sehr nebeligem Wetter. Hier finden wir uns wieder auf dem Wild Atlantic Way. Auf diesem fahren wir nun eine spektakuläre Küstenstraße auf eine Landzunge hinaus zum Loop Head Lighthouse. Hier wurden auch einige Szenen von Star Wars gedreht. Auf dieser schmalen Straße fahren wir bis Lahinch und dann links ins Landesinnere zu der kleinen Ortschaft Corrofin. Nach den letzten Steinhäusern fahren wir auf einer Schotterstraße den Berg hinauf und stehen nach zwei Kurven bei einem neu gebauten Haus. Nach 200 km sind wir in der Grafschaft  County Clare am Ziel, im Westen der Provinz Munster. Hier wartet Patrick, bei dem wir eine kleine Wohnung für eine Woche gemietet haben.

 

Corrofin ist ein kleiner Ort im nordöstlichen Teil des County Clare und der richtige Ausgangspunkt für unsere täglichen Touren, für tolle „visit parts of the country“.

 

Unser erster Ausflug im County Clare führt an den South Sound, zu den Cliffs of Moher. Wer da bis zum Rand hinaus geht, muss schwindelfrei sein. Diese Felsen aus Sandstein und Schieferton ragen auf etwa 8 km bis zu 200m senkrecht aus dem Atlantik. Uns hat das Meeresrauschen, die Mächtigkeit dieser Felsküste und der spektakuläre Ausblick auf das weiß schäumende Meer und die Weiten des Atlantiks, sehr beeindruckt. Heute ist es sehr windig und die Dreizehenmöwen lassen sich von ihren Nistplätzen in den unerreichbaren steilen Felshängen bis knapp über unsere Köpfe scheinbar ohne Flügelschlag empor tragen. Wir wandern auf dem schmalen Klippenpfad etwa einen Kilometer am Rande oben auf dem Kamm. Hier sehen wir auch Schwärme von Rauchschwalben. Immer wieder stehen Warntafeln, die uns aufmerksam machen, ja nicht zu weit an den Rand der Klippen zu gehen. Zu viele Unglücke säumen diesen Pfad. Die Steinklippen der Cliffs of Moher sind das wohl bekannteste Naturwunder Irlands.

 

An einem Regentag, es ist nur grau in grau und kalt, wandern wir zum Dysert O’Dea Castle, eine alte Einsiedelei mit einem Wehrturm des Clans der O‘deas. Die Burg, eigentlich nur ein Turm, soll eine der authentischsten wieder aufgebauten Burgen Irlands sein. Weils wohl so kalt war und wir „etwas tropften“ begrüßte man uns mit heißem Tee, bevor wir uns das Museum anschauen konnten. Um den Turm herum gibt es ein großes archäologisches Museum, in dem auch ein großes keltisches Hochkreuz, das „White Cross Of Tula“ aus dem 12. Jahrhundert, steht.

 

Beim Rückweg kehren wir in Corrofin im Rambler‘s Rest zu. Hier wird auch eine irische Spezialität serviert, ein Eintopf, bekannt als Irish Stew. Ulli ist nicht grad begeistert, weil das Lamm wohl ein älteres Schaf war. Nach dem Essen gönnen wir uns noch einen Blackwater Nr.5, einen irischen Gin, und der versöhnt sie wieder mit Irland. Wir verplappern uns ein bisschen und kommen drauf, dass es bald noch live irische Stubenmusik gibt.

 

Immer mehr Musiker kommen ins Lokal. Irgendwann beginnt einer zu klimpern, andere stimmen ein und auch Nachfolgende setzen sich zu diesem Tisch und spielen mit. So sind es bald etwa 10 Musiker, die da irische Musik spielen. Das alles ergibt dann einen sehr geselligen Abend.

Im Nordwesten des County Clare besuchen wir auch eine Karstlandschaft „Mondlandschaft“, den Burren. Dieser Nationalpark ist ein Schutzgebiet. Und ganz im Gegensatz zur Kargheit der Landschaft ist die Artenvielfalt der Flora reich. Über 600 verschiedene Arten von Blütenpflanzen sind hier versteckt in den unzähligen Rizzen und Spalten, darunter 22 Orchideenarten.

 

Schon 1651 schrieb ein gewisser O. Ludlow über den Burren: „Es gibt keinen Baum, um einen Mann zu hängen, es gibt auch kein Wasser, um einen Mann zu ertränken und es gibt auch  nicht genug Erde, um einen Mann zu begraben“.

 

Für uns und für viele ist es aber eine einzigartige wilde Karstlandschaft. Besonders beeindruckt hat uns der Poulnabrone Dolmen, das Loch der Sorgen. Das sind zwei etwa 3 m lange und 2,5 m hohe große Steinplatten, Tragsteine, die einen 3,65 m langen und 3 m breiten Deckstein stützen. Ursprünglich wurde er durch einen Steinhügel bedeckt, wahrscheinlich ein Steingrab. Um diese Jahreszeit sind wenige Touristen auf dem Weg. Daher können wir diese mystische Stätte in aller Ruhe genießen.

 

Bald fahren wir auf dem Wild Atlantic Way weiter zum Black Head. Als wir um eine Ecke kurven, fahren wir geradewegs in einen kräftigen Regenschauer. Aber so schnell wie dieser Regenguss uns überrascht, ist er auch schon wieder weg und die Sonne und trocknet uns rasch auf den nächsten Kilometern. Der Leuchtturm am Black Head ist an sich nicht sonderlich spektakulär. Seine unmittelbare Umgebung hingegen schon. Inmitten einer bizarren Szenerie aus steilen Kalksteinbergen und felsiger Küste wirkt der Leuchtturm, als wäre er nicht von dieser Welt.

Über Ardrahan fahren wir zurück nach Coroffin und genießen den Abend in unserer kleinen, warmen Unterkunft mit  weiterem Planen unserer Reise.

 

So eine Unterkunft ist schon etwas Feines. Wir haben hier genug Platz und können unsere Stiefel und Klamotten gut trocknen. Genau aus diesem Grund verzichten wir hier in Irland auf das Campen.

 

Galway, die Hauptstadt der Grafschaft Galway, in der Provinz Connacht , ist ja nicht so weit und so machen wir uns an einem grauen Tag auf den Weg in die Hafenstadt an der irischen Westküste. Bei einem Pub stellen wir das Guzzi-Gespann an den Straßenrand und sind gleich von einigen Interessierten umringt, die über unser Woher und Wohin sehr viel wissen möchten. Irgendwann kommt dann die Einladung für ein Pint im Pub, die wir gerne annehmen. Allerdings müssen wir dann aufpassen, um auch nach einem gesponserten Whisky wieder weg zu kommen.

 

Am 14. September fahren wir den Wild Atlantic Way weiter über Galway, Casla und Clifden nach Castlebar, im County Mayo.

 

Bei Clodagh, einer sehr freundlichen Wirtin, beziehen wir für drei Tage eine kleine Wohnung.

Ein wunderschöner Tag und wir machen einen Ausflug zur Insel Achill Island in der Grafschaft Mayo, ein Signature Point am Wild Atlantic Way. Über weites Land erreichen wir die Michael Davitt Bridge, eine Drehbrücke, die den Schiffsverkehr bei Bedarf durchlässt, und fahren über diese auf die größte Insel Irlands. Auf ihr lebte eine Zeitlang der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll. Hier schrieb er den interessanten Reisebericht „Irisches Tagebuch“. Wie so oft auf unseren gewählten Straßen in Irland, ist es auch hier sehr ruhig. Wir fahren bis zur Keem Bay, wo die Straße in einer malerischen Bucht mit einem feinen weißen Sandstrand endet.

 

Zum nächsten Highlight auf dem Atlantic Way fahren wir weiter zum Erris Head, einer Landzunge im Nordwesten Irlands an der Broadhaven Bay. Wieder stehen wir an einer phantastischen wilden Küste mit einer tollen Aussicht auf das wild schäumende Meer. Leider kann ich nicht überall stehen bleiben, denn die Küstenstraße ist sehr schmal und es ist noch weit über Ballina bis Castlebar.  Als wir ankommen, sind wir froh, dass Clodagh unsere Wohnung eingeheizt hat, denn wir sind ziemlich durchgefroren.

 

Nächster Tag, nächstes Highlight. Es gibt in der Stadt ein Public Viewing. Da müssen wir unbedingt hin, sagt Clodagh. Es wird nämlich das Rugby Endspiel zwischen Mayo und Dublin gezeigt.

 

Schönes Wetter, so wandern wir also in die Stadt. Der öffentliche Platz war bei guter Stimmung voll besetzt. Da schauen wir uns auf einer großen Leinwand eine Halbzeit dieses rasanten wilden Spieles an. Die Führung schwankt hin und her, was natürlich gut für die Stimmung am Platz ist. In der Pause suchen wir in einem der vielen Pubs einen freien Tisch. Der wird uns auch über die Köpfe anderer Gäste hinweg gebracht, inklusive Stühle für uns. Da geht es richtig laut zu bis kurz vor Schluss. Da macht  Dublin mit dem Match Point den Deckel zu. Die Stimmung kippt und Ruhe kehrtim Pub ein. Die lieben Leute von Castlebar trollen sich mit hängenden Köpfen nach Hause. Wir trinken noch ein Bier und suchen  noch ein Lokal, wo wir noch eine Kleinigkeit zum Essen bekommen.

 

Heute verlassen wir Clodagh und möchten größtenteils auf der Wild Atlantic Route der Sligo Bay entlang und weiter an der Donegal Bay bis Castleberg fahren.

 

Aber kurz vor Sligo passiert es: Ein leichtes Schlingern, da stimmt was nicht, ich bremse stark herunter und stehe am Straßenrand. Zwanzig Meter weiter ist eine Tankstelle; dahin schieben wir die Guzzi und beginnen das Hinterrad, das einen platten Reifen hat, auszubauen. Ein Tankkunde kommt mir sofort mit einem Wagenheber zu Hilfe. Das Rad ist schnell ausgebaut. Er bietet an, uns mit dem platten Rad zu einer Reifenwerkstatt zu fahren. Dort wird auch recht schnell ein neuer Schlauch, den ich immer dabei habe, eingebaut. Das Ventil war abgerissen. Wieder zurück hilft er noch, das Rad einzubauen. Ein großes Dankeschön von uns, aufpacken und weiter geht’s.

 

Doch keine 5 km später das gleiche nochmal. Schwimmen, schlingern, pohh! Nicht schon wieder, das darf nicht wahr sein! Doch hier ist keine Tankstelle, nichts, aber es ist schon spät und Schlauch habe ich auch keinen mehr. Ich brauche eine Werkstatt. Die finden wir dann auch mit einem Hilfe-Anruf beim ÖAMTC und dessen Schutzbrief. Die Wartezeit verkürzen uns Nachbarn, die unsere Ratlosigkeit beobachtet haben mit heißem Tee, Kuchen und guten Ratschlägen. Es dauert drei Stunden bis endlich der Abschleppdienst auftaucht und uns per Huckepack  zu einer Werkstatt bringt. Doch heute geht nichts mehr. Der ÖAMTC organisiert uns ein Hotel für diese Nacht in Sligo. Am Morgen soll dann repariert werden.

 
Es stellt sich heraus, dass die Reifenwerkstatt Mist gebaut hatte. Ein Schlauch findet sich im hintersten Winkel dieser Moped- und Rasenmäher -Werkstatt. Mit vereinten Kräften gelingt die Reparatur und endlich können wir weiter fahren.

 

Nun geht es der Donegal Bay entlang bis Bundoran, wo wir die Grenze zu Nordirland passieren. Nicht mehr weit und wir sind in Castleberg. Hier beginnt es zu regnen. Wir finden in einer Jugendherberge eine Garage und Unterschlupf.

 

Vorletzter Tag in Irland. Wir möchten zum Abschluss noch eine besondere Tour der Küste entlang fahren. Wir suchen  das Ende der Wild Atlantic Route, das im County Donegal  auf der Halbinsel Inishowen, bei Malin Head liegt. Leider ziehen schwarze Regenwolken auf und wir fahren bald wieder zurück nach Londonderry. Anschließend  der Küste entlang über Coleraine bis Portrush, wo wir eine tolle Unterkunft finden. Zu unserer Überraschung bekommen wir auch ein feines Abendessen serviert. So müssen wir nicht mehr ausgehen, denn es hat wieder angefangen zu schütten.

 

Die letzten Kilometer bis Larne, von wo es eine Fähre nach Schottland gibt, fahren wir natürlich mit irischem Regenwetter. Eigentlich schade, denn die Straße der Riesen ganz im Noden der Insel, die Giant’s Causeway, hätte uns schon noch interessiert. Es wären dort tausende Basaltsäulen zu bewundern. Als wir gegen Mittag im Hafen ankommen, hört es auf zu regnen und die Sonne kommt durch.

 

Wir sind viele Kilometer, ich weiß nicht wie viele, auf dieser Traumstraße, Wild Atlantic Way, gefahren. Aber wir können sagen dass es trotz der vielen Wetterkapriolen sehr schöne Kilometer waren, voller kurvenreicher Straßen, dramatischer Klippen und idyllischer Fischerdörfer, die sich ideal für Abstecher eigneten. Immer gepart mit der herzlich erlebten Gastfreundschaft der Iren.

Die Strecke ist an fast jeder Kreuzung gut ausgeschildert, ergänzt durch blaue Schilder mit einer stilisierten weißen Welle und Richtungsangaben (N für Nordwärts, S für Südwärts).

 

Ozeanischer Einfluss und der Golfstrom beeinflussen das Klima in Irland sehr stark. Die Iren sagen zu dem: „Wir können hier alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben“. Ohne Regenausrüstung gingen wir nie außer Haus und wir brauchten sie auch oft, aber manchmal nur sehr kurz, um einen Regenguss durchzutauchen. Sonnenscheinstunden hatten wir allerdings mehr als Regen.

Am Vormittag fahren wir wieder zur Küste. Der Regen hat sich verzogen. So fahren wir auf abgetrockneten Straßen über Lampeter und Eglwyswrw bis Fishguard zum angepeilten Fährhafen. Leider erwischen wir die Fähre nicht mehr, so beziehen wir ein Hotelzimmer. Beim Ausgang am Abend finden wir eine Kneipe in der wir auch Fish and Chips bekommen. Am nächsten Tag nehmen wir dann die erste Fähre.