Moto Guzzi Mille GT, 1987

Therapie für Petrol-Heads

Moto Guzzi Mille GT

von Hans-Erik Frank
Hans Erik Frank

Benzinbetriebene Zweiräder fahre ich nahezu durchgehend seit meinem 15. Lebensjahr. Historiker haben beim Durchforsten von alten Urkunden herausgefunden, das dieses Ereignis 1992 stattgefunden hat.
 Sofort, beim ersten Mal drehen am Gashahn erkrankte ich chronisch an Motorraditis und befinde mich seitdem in Therapie als Petrolhead.


Unbehandelt verlief diese Erkrankung schleichend über die Jahre hinweg zu immer längeren Touren und neuen Herausforderungen, welche immer ausgefallener wurden.
 Eine Nebenwirkung von Motorraditis ist eine chronische Garagen-Insuffizienz und die Überzeugung, dass die richtige Anzahl an Motorrädern immer Eines mehr ist.
 Fahrzeuge in meinem aktuellen Besitz sind laut und leise, es gibt welche mit zuviel Elektronik und dann Modelle komplett ohne.
 Jedes meiner Fahrzeuge, vom 50ccm Automatik Mopped über meine 200ccm Vorkriegsmaschine mit Handschaltung, dem 600ccm Dampfhammer bis zur modernen 1200ccm Adventure, 
egal welches Modell oder Hersteller: jedes davon erfreut und fasziniert mich dabei auf seine eigene Weise. Und dann trat 2024 die Mille in mein Leben. Ich war völlig unwissend, was so eine Guzzi überhaupt bedeutet. Ich wurde gewarnt, ich wurde mehrfach auf das Suchtpotential hingewiesen, mir wurde sogar professionelle Hilfe angeboten.
 Aber dieser Spartanismus und Purismus, dieses unzivilisierte Schütteln und Vibrieren zusammen mit diesem krass bollernden Klang der Lafras zusammen mit den offenen Trichtern, dieser Geruch der Abgase –  ich hatte gar keine Chance zu widerstehen.!

 

Relativ günstig in Salzgitter erworben, stellte sich aber kurz nach der ersten Testfahrt im Allgäu heraus, dass da scheinbar mehr zu reparieren ist als gedacht. 
Die Werkstatt schüttelte den Kopf und attestierte der Mille eine methusalemartige Laufleistung von 230.000km. 
Aber das war mir egal, denn die Guzzi hatte bereits Besitz von mir ergriffen und passte gut in meinen geriatrischen Motorradharem mit den anderen inkontinenten Damen.

 
Die erste Tour führte mich bereits einen Tag nach der ewig dauernden Reparatur direkt nach Mandello del Lario zum Guzzi treffen.
 Seitdem sind die Mille und ich regelmässig – auch mit meiner abgehärteten Super-Sozia – viele Kilometer unterwegs. 
Ich hoffe, dass sie (die Mille, nicht die Sozia) mich noch sehr lange durch Ihre eigene unvergleichliche Art, bei jedem Mal starten, aufs Neue den Kopf verdreht und ich verzückt sein werde.

 

Besonderheiten: Ab Werk war die erste Serie der Mille GT mit Lafras und offenen Trichtern ausgeliefert worden. Also legal laut. Das Standgeräusch ist deswegen nicht Tirol geeignet.
Laufleistung im August 2026 war bei ca. 237.000km.  Lenkerarmaturen wurden altersbedingt gegen Cali3 Teile ausgetauscht. 
Erfolgreiche Teilnahme am internationalen Motorradmarathon 2026 über 580km an einem Tag, nur Landstrasse und Pässe, zusammen mit meiner Super-Sozia.

Technische Daten

Moto Guzzi Mille GT


Baujahr: 1987 (erste Serie)
Hubraum: 942 ccm
Leistung: 66 PS
Drehmoment: -
V-max:

177 km/h

Verbrauch: 5-9 l/100 km (mit Bleizusatz)
Gewicht: 245 kg


Moto Guzzi Mille GT