Moto Guzzi V85TT, Guzzisti Montfort

La dea rossa

Moto Guzzi V85TT E5

von Gernot Stadler

Nachdem wir beide – meine alte Cali 2 und ich – 40 Jahre Arbeit und 200.000 km Laufleistung auf dem Buckel hatten, im Corona Sommer 2021, galt es, eine Entscheidung zu treffen: gemeinsam weiter machen oder neue Sachen ausprobieren – wie z.B. einen Partnertausch. Zwei Dinge passierten dann in diesem Sommer: ein Peter H. aus Germany verliebte sich in die weisse Cali 2 und ich fuhr ihre junge Nachfolgerin zur Probe. Seit diesem Tag sind wir zusammen, meine neue rote Göttin V85TT und ich. Die Cali 2 und ihre einst rostige Schwester leben jetzt in Süddeutschland in artgerechter Haltung, und nach ausführlichen Schönheitsoperationen mit anschließender Reha bezaubern beide mehr denn je. Manchmal schreiben wir uns noch …

 

Bei der Probefahrt hat es gefunkt zwischen der V85 und mir und nach den ersten gemeinsamen 5.000 Kilometern ist klar: ich geb’ sie nicht mehr her, meine rote Göttin. Sie ist sexy mit ihren luftgekühlten Zylindern, sie hat ein Top-Fahrgestell mit ihrem gelben Öhlins-Federbein und den perfekt dosierbaren Brembos, sie ist auch zu zweit absolut langstreckentauglich dank ihrer Ergonomie und den originalen Alukoffern – und nicht unhübsch ist sie obendrein in der „Österreich-Edition”, die auf italienisch „rosso uluru” heißt.

 

Ob Autobahn, kurvenreiche Landstraßen oder Alpenstraßen mit ihren Serpentinen: die V85TT ist stabil, wendig und zielgenau. Auf Schotterstraßen geht’s auch noch, für schweres Gelände oder Wüstendünen haben wir dann aber doch zuviel Speck auf den Hüften, die Guzzi und ich. Die 76 PS und 80 NM Leistung/Drehmoment sind gerade noch ausreichend, nur im Soziusbetrieb mit vollem Gepäck wird’s dann ein wenig zäh. Solo läßt sie sich aber recht erfrischend in die Kurven und aus diesen hinaus schmeissen – auch in den Alpenpässen macht sie eine gute Figur, sowohl auf- als auch abwärts.

 

Relativ lange habe ich mit dem Windschild gehadert – das serienmäßige kurze hält den Fahrtwind vom Oberkörper überraschend gut fern, reisst dir aber ab 130 km fast den Kopf ab. Das hohe OEM Tourenschild bringt die nötige Ruhe für die Birne – allerdings plagen die Turbulenzen hinter der Scheibe dann das Trommelfell. Seit ich den MRA Zubehör-Spoiler auf die Tourenscheibe geschraubt habe, passt es jetzt auch für meine 187 cm perfekt.

 

Vom Bollern der Cali 2 versaut war der Sound der V85TT für mich anfangs natürlich eine arge Enttäuschung – deshalb wurde die originale Anlage gegen alternative Edelstahlkrümmer und das Y-Rohr von Mistral (ebenfalls aus Mandello) getauscht – und jetzt passt’s auch akustisch: nicht viel lauter aber kerniger und mit ein bisserl Volumen in den Bässen.

 

Resümee: die rote Göttin mit ihren schlauchlosen High-Heels ist eine Augenweide auf jedem Laufsteg, zickt (noch) nicht herum und haut dich mit ihrer erotischen Stimme mehr oder weniger vom Hocker. Sie ist sportlich, sparsam und fleißig, sie (er)trägt auch hohe Lasten – nur manchmal im Sommer wird sie ein wenig arg heiß – wir denken über einen Ölkühler nach.

Technische Daten

Moto Guzzi V85TT E5


Baujahr: 2021
Hubraum: 883 ccm
Leistung: 76 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment: 82 NM bei 5.000 U/min
V-max: 195 km/h
Verbrauch: 4,9 l/100 km
Gewicht: 229 kg (voll getankt)

 

Zubehör / Extras: Öhlins Stoßdämpfer, OEM Motorschutzbügel, OEM Hauptständer, Mistral-Kit Big Bore Krümmer und Y-Rohr mit V-Twin Booster, Jagg Ölkühler und Thermostat, Lenkererhöhung 2,8 cm, OEM Tourenscheibe mit MRT-C Spoiler, GIVI Tankring mit Tankrucksack, MyTech Alu-Koffersystem mit Halterung

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